23. Oktober 2011

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Das PaleoPrinzip 3 – Lebensweise gleich Speisezettel !

Anderer Lebensstil - veränderter Speiseplan ...

Bis zur Neolithischen Revolution (vor ca. 10.000 Jahren) war Getreide als dominierender Ernährungsbestandteil und die Milch anderer Säugetierarten als Nahrungsquelle dem menschlichen Stoffwechsel völlig fremd.

Selbst die mutigsten Jäger und Sammler wären nie auf die Idee gekommen eine wilde Büffelkuh zu melken. Unsere heutige Ernährung dominierende Feldfrüchte wie Getreide und Hülsenfrüchte waren in früheren Zeiten allenfalls kulinarisches Beiwerk.

Dazu muss man auch wissen, dass Hülsenfrüchte in ungekochtem Zustand giftig sind. Da sich Hülsenfrüchte weder grillen noch braten lassen, musste erst einmal die Idee des Kochens mit Wasser her. Aus archäologischen Funden (Keramik in China) weiß man jedoch, dass bis vor etwa 13.000 Jahren dazu keine Möglichkeit bestand. Ohne entsprechende feuerfeste Behältnisse zum Kochen war das Unschädlichmachen der Giftstoffe unmöglich. Im Zuge der Kolonialisierung wuchsen Kartoffeln, Mais, Tomaten und andere Nachtschattengewächse gar erst ab dem 16. Jahrhundert n.Ch. auf unseren Feldern.

Viele Nahrungsmittel, die in den vergangenen 10.000 Jahren plötzlich auf unserem Speiseplan stehen verursachen deshalb allergische Reaktionen, weil unser Stoffwechsel 1.5 Mio. Jahre auf ganz andere Nahrungsmittel optimiert wurde und schlichtweg nicht ausreichend an andere angepasst ist. Das tückische an der suboptimalen Verträglichkeit "moderner" Lebensmittel ist der schleichende Prozess, der erst nach vielen Jahren  über viele Jahren - wenn es zu spät ist - ernste und irreversible Krankheiten ausbildet.

Doch weiter drehte sich das Nahrungsmittel-Karussell : mit der Industrialisierung kam dann das Weißmehl, den raffinierten Zucker, Glucosesirup auf Maisbasis und Pflanzenöle, diese später weiterbearbeitet zu sogenannten Transfetten. Betrachtet man nur den Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker, so ist dieser in den letzten 150 Jahren um mehr als das 20fache gestiegen. Im Expertenbericht der WHO von 2003 (Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases, WHO Technical Report Series, No. 916 (TRS 916) ist komprimiert und kompakt nachzulesen, was kaum jemand bestreitet : dass ein regelmäßiger Verzehr der genannten Nahrungsmittel keine geringen Gesundheitsrisiken mit sich bringt.

Der Alltag der Jäger und Sammler

Die Veränderung der Lebensweise brachte gravierende Veränderungen mit sich – nicht nur was die Ernährung betraf. Der Alltag eines Jägers und Sammlers war (und ist bezugnehmend auf heute noch existierende Urvölker) geprägt von Phasen harter körperlicher Arbeit (ausdauerndes Hetzen von Beute über Stunden hinweg, stundenlanges Durchstreifen der Natur auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung, Schleppen von Beute und gesammelter Nahrung, Feuerholz zum Lager, etc.) und Phasen ausgeprägter Ruhe, ja Faulheit und Erholung in denen schon der frühe Homo Sapiens die Muße fand, erste Kulturzeugnisse zu fertigen (Höhlenmalerei, Schmuck, Kultgegenstände etc.).

Auch der Besuch oft mehrerer Tagesmärsche entfernter verwandter Sippen dürfte damals wie heute eine wichtige Rolle im Leben unserer Vorfahren gespielt haben. Führende Anthropologen vertreten zudem die These, dass es gerade die Neigung und Fähigkeit des Homo Sapiens war, soziale Netzwerke zu bilden und über große Regionen zu pflegen, die sein Überleben sicherten.

Anthropologen und Ethnologen schätzen den Anteil mehr oder weniger harter körperlicher Aktivität eines Jägers und Sammlers auf durchschnittlich etwa drei Stunden pro Tag. Je nach Jahreszeit, Jagd- und Sammelerfolg mal mehr, mal weniger. Die frühen Ackerbauern und Viehzüchter mussten deutlich mehr Zeit und Mühe aufwenden, um auf eine vergleichbare Kalorienzufuhr zu kommen. Ihr Speisezettel war zudem deutlich weniger vielfältig und damit im Schnitt ärmer an wichtigen Nährstoffen. Gab es Missernten, oder angelegten Vorräte waren unzureichend, drohten Hungersnöte. Im Gegensatz zu unseren Ahnen waren sie ortsgebunden - das Wissen um die Jagd längst verloren gegangen. Sie konnten nun nicht mehr einfach dem Jagdwild hinterher ziehen.

Weitere Gefahren kamen hinzu und belasteten zunehmend die Gesundheit der Menschen. Durch den engen Kontakt mit den domestizierten Tieren kam es regelmäßig zu Seuchen. Die Verwundbarkeit der Menschheit durch virale Massenepidemien ist keineswegs ein Phänomen, das es schon immer gab. Sie ist ein besonders unangenehmer Nebeneffekt der Neolithischen Revolution und wird heute durch Massenmobilität und das Leben auf engstem Raum verstärkt. Sie geht einher mit der gleichzeitigen Verarmung der für ein funktionierendes Immunsystem notwendigen Nahrungsgrundlage. Nicht weiter ausführen muss man die Folgen des Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsums, die Umweltverschmutzung, usw.

In den letzten 10.000 Jahren der  Neolithischen Revolution wurden die Menschen mit allen negativen aber auch positiven Folge zur Sesshaftigkeit gezwungen. Sie gründeten Siedlungen, aus denen schließlich Städte entstanden. Diese Entwicklung war Grundlage zur Entwicklung erster Hochkulturen in Vorderasien und später im Mittelmeerraum. Errungenschaften wie Kultur, Medizin, Wissenschaft und Technik, und vieles mehr, stammen von hier. Verständlich, dass heute niemand mehr darauf verzichten mag.

Wenn man so will, haben wir uns das Leben gleich doppelt schwer gemacht : wir haben unseren Lebensstil UND Speiseplan über 10.000 Jahre gravierend verändert, ja teils ins Gegenteil verkehrt. Das Ergebnis ist kein gutes : wir werden krank, dick, faul und unglücklich !

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